Die Bedeutung der Trauerarbeit

Die Bedeutung der Trauerarbeit liegt für den einzelnen trauernden Menschen im Sinne der Krisenpädagogik in einem bewussten Durchschreiten der Verlustkrise - einen Weg um die Krise herum gibt es nicht - an deren Ende ein positives Integrieren des Erlebten der Vergangenheit in das zukünftige Leben und ein Gestärktsein für kommende Krisen im Lebensverlauf steht.

Ausgehend von der Polaritätsvorstellung, dass in jeder Krise neben der Gefahr auch eine Chance verborgen ist, die entdeckt und gelebt werden möchte, und dem Gedanken des aktiven und dynamischen Trauerprozesses (Vgl.: Modell der Traueraufgaben in W. Worden: Beratung und Therapie in Trauerfällen, Ein Handbuch, Bern 1987) ergeben sich eine Reihe von Ansatzpunkten und Möglichkeiten für die Begleitung trauernder Menschen.

Es muss jedoch betont werden, dass es nicht isoliert um die Entdeckung von Chancen, Möglichkeiten und Formender Weiterentwicklung geht, sondern dies im Rahmen einer äußerst schmerzlichen Verlustsituation geschieht. Und die meisten, wenn nicht sogar alle Trauernden, würden gerne auf jede Gelegenheit der Weiterentwicklung verzichten, wenn sie stattdessen wieder den geliebten verstorbenen Menschen bei sich hätten. Diese Gefühls- und Sinnwirklichkeit des trauernden Menschen gilt es auszuhalten und zu respektieren sowie dessen auf- und ausbrechenden Emotionen Raum zu geben. Voreiliges Thematisieren des Sinns dieser Krise wäre nicht hilfreich, würde Vertrauen zerstören und den trauernden Menschen einengen in seiner ganz individuellen Kreativität der Sinnsuche und Sinnfindung.

In der Rückschau häufig genannte Veränderungen ( Sinngebungen ) im Rahmen des Trauerprozesses sind:

  • Gewonnene größere Sensibilität für das Leid anderer Menschen
  • Gewachsene Fähigkeit, Gefühle zuzulassen und auf andere eingehen zu können
  • Veränderung der Prioritäten ( "weg" vom Materiellen )
  • Bewussteres, gesünderes Leben, Dankbarkeit für das Leben - auch nach Depression und Suizidgedanken
  • Größeres religiöses Interesse, Interesse am Leben nach dem Tod
  • Geringere existentielle Angst
  • Größere Freiheit, gewachsene Selbständigkeit

Unabdingbare Voraussetzung um trauernde Menschen auf diesem Weg durch die Trauer begleiten zu können, ist,

  • dass sich BegleiterInnen ihres eigenen Standpunktes bzgl. der Themen "Sterben, Tod, und Trauer" bewusst sind,
  • ihrer verarbeiteten bzw. nicht verarbeiteten Verlusterlebnisse,
  • ihrer Fragen und Ängste
  • sowie ihres Lebenssinnes.

Annette Dobroschke-Bornemann, TABEA e.V. Juli 2001

 

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